Reise-Bericht Indien - Informationen über die Region Shekhawati (auch Shektawati, Shekawati) in Rajasthan |
Fährt man von Ajmer, Pushkar oder Jaipur in Richtung Norden, so kommt man durch die Region Shekhawati.
Die halbwüstenartige, trockene Region wurde früher auch "Garten von Shekha" genannt.
Der Rajputenherrscher Rao Shekha gründete hier um 1471 sein kleines Reich. Die Einwohner von Shekhawati nennen sich Shekhawatis oder Marwaris.
Die Geschichte des Shekhawati geht bis in das 14. Jahrhundert zurück, als eine Reihe von muslimischen Familienclans in die Region kamen und Siedlungen gründeten.
Diese Siedlungen wurden bald wichtige Handelsposten auf dem Weg zu den Seehäfen von Gujarat. Rao Shekha wurde 1433 als Sohn des Kachhawa-Herrschers Mokal und dessen Frau Nirwan geboren.
Mokal war Herrscher des Landsitzes von Nan als Lehen der Herrscher von Jaipur. Um die Geburt des Rao Shekha rankt sich folgende Legende:
» Mokal und seine Frau Nirwan bekamen schon viele Jahren keinen Sohn als Stammhalter, als sie von einem wundertätigen muslimischen Sheikh Burhan erfuhren.
Sie suchten diesen Sheikh auf und baten um seinen Segen, den sie auch bekamen. Einige Zeit nach diesem Besuch wurde ein Sohn geboren, der zu Ehren des wundertätigen Sheikhs "SHEKHA" genannt wurde.
1459 starb Mokal und sein Sohn Rao trat seine Nachfolge an. Er blieb allzeit ein Vasall des Maharajas von Amber (Jaipur).
Mit dem langsamen Niedergang der Mogulherrschaft seit dem Tod von Aurangzeb (1707) begannen die verschiedenen Nachkommen des Rao Shekha, sich bis zu den Aravalli-Bergen auszudehnen.
Sie herrschten zeitweilig über ein Territorium von ca. 30.000 qkm im heutigen Shekawati. Sie blieben jedoch alle Zeit Untertanen der Maharajas von Amber/Jaipur, die ihnen den Titel "Tazimi Sardar" (etwa Baron) verliehen.
Bis 1732 eroberten 2 Clanmitglieder - Sardul Shingh und Shiv Singh - die Besitzungen von Farehpur und Jhunjhunu für sich und dehnten damit den Einflussbereich weiter aus.
Heute ist Shahpura Hauptsitz der Familienclans der Shekhawati-Rajputen. Die einzelnen Familien-Zweige trugen verschiedene Adelstitel bzw. Adelsprädikate entsprechend ihres gesellschaftlichen Ranges:
thakur, rao, raja, rao raja, rawal. Nahezu alle dieser Adligen besaßen nur 1 Burg oder 1 Palast und herrschten über ein kleines Territorium.
Bis in die moderne Zeit spielten Familienmitglieder eine Rolle in der Politik. Bhairon Singh Shekhawat (geboren 1923) war 3x Ministerpräsident von Rajasthan und Vizepräsident von Indien (2002-2007).
Makrana:
Nördlich von Ajmer liegen die riesigen Marmor-Steinbrüche von Makrana. Der hiesige, leuchtend weisse Marmor ist sehr teuer und wurde für den Bau des Taj Mahal von Agra verwendet.
Der hochwertige Marmor wird schon seit Jahrhunderten im Tagebau abgebaut und in ganz Indien verkauft. Der Marmor wird nicht nur als Baumaterial verwendet, sondern auch als Material für Geschenke, Dekorationen uund Souvenirs.
In entsprechenden Steinbetrieben wird jedoch nicht nur der Marmor verarbeitet, sondern auch die in Rajasthan vorkommenden roten Sandsteine.
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Marmorbetrieb |
überladener Marmor-LKW |
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Steinbearbeitungsbetriebe |
Steinarbeiten |
Das kleine Territorium profitierte von der günstigen, geografischen Lage am Knotenpunkt verschiedener Handelsrouten und seine Kaufleute
kamen zu Wohlstand und Reichtum. Sie wurden durch Fernhandel bis China, Afghanistan und Persien reich und wollten diesen Reichtum auch zeigen.
Die Kaufmannsfamilien versuchten, mit dem Bau und Ausstattung ihrer Wohn- und Geschäftshäuser sich gegenseitig zu übertrumpfen.
Diese Häuser vereinten in sich Wohnhaus, Laden, Warenlager und Tierställe.
Kuchaman:
Von der Landstraße Richtung Norden sieht man in der Ferne die große Festung Kuchaman.
Das Fort wurde bereits zwischen 450-700 schrittweise auf einem steilen Bergrücken erbaut, wurde immer wieder erweitert und verstärkt und kontrollierte von hier aus die vorüberziehenden Handelskarawanen und
Handelsrouten. Das dominante Festungswerk hat 10 hintereinander liegende, einzeln zu verteidigende Zugangstore und an die 30 starke, mit Kanonen bestückte Bastionen.
Die weiße Kuppel des Tempels im Fort ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Fort Kuchaman.
Vor einigen Jahren wurde das Fort aufwendig teilweise restauriert und in ein Hotel umgebaut.
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Kuchaman-Fort |
Festung Kuchaman |
Havelis:
Den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Blüte erlebte Shektawati im 18. Jahrhundert durch seine Handelskontakte zwischen Delhi und Gujarat.
Mit dem zunehmenden Einfluss britischer Kaufleute und Verlagerung des Handels nach Bombay und Kalkutta verloren die Marwari-Kaufleute ihre Handelsbasis. Sie verliessen die Region und zogen
in die neuen Handelszentren an der Küste.
In vielen Orten des Shektawati findet man noch heute die alten, mit kunstvollen Wandbildern bemalten Kaufmannshäuser, die meist zwischen dem 18.-20. Jahrhundert
erbaut wurden. Durch den Wegzug der alten Handelsfamilien verfielen nach und nach viele der prächtigen Häuser.
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alte Havelis in Shektawati |
Haveli in Fatehpur |
Brunnen im Shektawati:
Die Kaufleute des Shektawati leisteten einen wichtigen Beitrag zur Wasserversorgung dieser trockenen Halbwüsten-Provinz im Norden von Rajasthan.
Sie ließen im Land öffentliche Brunnen graben. Diese Brunnen wurden meist mit Steinen ausgemauert, mit einer steinernen Plattform versehen und mit je 2 oder 4 Säulen geschmückt.
Diese Säulen sind keine Minarette, sondern standen weit sichtbar als eine Art "LEUCHTTURM" für Durstige und wassersuchende Reisende.
Von den Brunnen wurden die Felder bewässert und das Vieh getränkt.
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Brunnen in Shektawati |
Brunnen in Mandawa |
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neue Moschee in Ladnun |
Motel vor Fatehpur |
Hier einige kommentarlose Bilder von unserer Fahrt durch die Region Shekhawati:
Zur Vergrößerung bitte auf das jeweilige Bild klicken.
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